Das "lockige" Trio

Also wir, das sind die drei Katzenmädels Smeraldas BC Joss Stone, Smeraldas BC Ikea und Smeraldas BC Lia Yuna.

Das ist der offizielle Teil.

 

Eigentlich heissen wir Flecki (wer will schon einen Knoten in der der Zunge), Ikea und Yuna. Einfach so.

Wir sind zwar Rassekatzen der Rasse "La Perm" mit gesundheitlich geprüften Eltern und haben Stammbäume, aber deshalb sind wir nicht anders als andere Katzen.

Außer, dass wir lockiges Fell und einen anderen Weg zu unserer Mama genommen haben als die meisten hier, auch haben wir das Glück gehabt, die Angst und die Entbehrungen nicht erleben zu müssen, die viele unserer Freunde hier durchmachten.

Aber auch, wenn Katz direkt vom Züchter in ihr neues Zuhause kommt gibt es vieles, was schief laufen kann, und deshalb wollen wir heute, stellvertretend durch mich, Flecki, auch unsere Geschichte erzählen: 

 

 

Ikea und ich sind Halbschwestern. Sie ist eine Woche älter als ich und wir haben denselben Vater, den Beertje.

Ich war eigentlich gar nicht geplant. Unsere Züchterin wollte zwar gerne noch einen Wurf von meiner Katzenmutter Else und dem Beertje haben, aber mein Katzenvater merkte schneller, dass meine Katzenmutter wieder rollig war als die Züchterin…tja, der Rest ist Geschichte und hier bin ich. Beide Würfe waren sehr groß, so dass am Ende 13 Kitten durch die Gegend tollten.

 

Unsere Mama habe ich kennengelernt, da war ich eine Woche alt. Also eigentlich hat sie mich überhaupt nicht interessiert, weil da der Hauptbestandteil meines Lebens meine Katzenfamilie war.

Mama ist Katzenallergikerin, hatte aber im Fernsehen gesehen, dass "La Perms" unter Umständen für Allergiker geeignet sind.

 

Unsere Züchterin hatte vorgeschlagen, dass sie einfach mal vorbeikommt um zu testen, ob sie uns verträgt.

Das hatte dann auch gut geklappt, bis sie das Haus wieder verließ – da kam dann nämlich eine heftige Allergie-Attacke, die klar machte, dass das so einfach nix werden würde.

 

Natürlich war Mama traurig. Sie ist dann zu einem Heilpraktiker gegangen und hat eine Therapie für das Immunsystem gemacht.

Das hat ganz schön lange gedauert und währenddessen sind mehr und mehr von meine Geschwistern schon in ihr neues Heim umgezogen.

 

 

Am Ende waren nur noch mein Vollbruder Joe und ich zu haben. Anfang Dezember ist Mama dann zum neuen Test wiedergekommen, sie ist dafür jedes Mal bis nach Hamburg gefahren, wo wir Katzen wohnten, und hatte immer eine Freundin dabei. Vier Augen sehen ja mehr als zwei.

 

Im Flur wurde sie von Ikea begrüßt, einer Raufboldin und Chaotin erster Kajüte. Mama hatte sie gar nicht auf der Rechnung, denn eigentlich sollte Ikea in die USA ausreisen und dort in die Zucht gehen. Aber kurz vor Mamas Besuch hatte der Züchter abgesagt, so dass Ikea wieder frei war.

Ja und ich? War weg! Nicht im Schrank, nicht im Wohnzimmer, nicht im Körbchen, nirgendwo. Nach einigem Suchen und Rufen kam ich dann verschlafen um die Ecke … und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich bis dahin kein neues Zuhause hatte. Ich war schlicht und ergreifend für die Besucher unsichtbar.

 

Mama hatte vorher keine Katzen und die Freundin war vor allem dafür da, die Fragen zu stellen, an die Mama nicht dachte.

Am Ende des Tages hat Mama mit der Züchterin folgende Vereinbarung getroffen: da es vom Spielverhalten besser ist, zwei gleichgeschlechtliche Katzen zu halten, würden Ikea und ich zu Mama ziehen.

Unsere Züchterin würde uns bringen, damit sie sieht, dass wir gut untergebracht sind und unserer Mama evtl. noch Tipps geben kann. Mama hatte ihr sowieso schon ein Loch in den Bauch gefragt

 

Beim zweiten Besuch nach der Immuntherapie hatte Mama keine Allergie-Anzeichen gezeigt, aber trotzdem gab es eine Klausel im Vertrag, dass wir zu unserer Züchterin zurück dürften, wenn sich die Allergie doch zeigt. Das fand meine Mama ganz toll, wusste aber gleich, dass ihr das fürchterlich schwer fallen würde.

... und was soll ich sagen: wir sind noch hier!

 

 

Ein Jahr nach unserem Einzug gab es aber Schwierigkeiten. Ikea und ich stritten uns immer mehr und immer heftiger.

Sie war vom Raufbold zur "Intelligenzkatze" mutiert, die sich eher für anspruchsvolle Denkspiele interessierte als für wilde Verfolgungsjagden, und ich wollte toben, spielen, springen und war absolut nicht ausgelastet. Nach vielen Monaten mit Spielen, Bachblüten, Übungen mit einer Katzen-Verhaltenstherapeutin, Trainings und auch Ratschlägen aus dem Umfeld "entweder Ikea oder mich abzugeben", passierte genau das Gegenteil. Mama hatte immer die Meinung, dass wir Halbschwestern kein grundsätzliches Problem miteinander hätten, denn wenn wir uns nicht stritten wie die Kesselflicker, dann haben wir nebeneinander gelegen, gekuschelt, uns geputzt und mit Nasenküsschen begrüsst.

 

Mama telefonierte mit unserer Züchterin und die schlug letztendlich eine dritte Katze vor, sozusagen als Vermittlerin. Und so zog Yuna bei uns ein.

Ui, ich war schockiert und völlig geplättet von dem kleinen schwarzen Fellknäuel unterm Wohnzimmertisch.

Heute sind wir die besten Freundinnen. Yuna ist mittlerweile die Chefin unserer kleinen Gruppe und sorgt mit ihrer Gelassenheit für Ruhe. Sie spielt mit mir, zeigt mir aber auch deutlich, wenn ich mich daneben benehme.

Manchmal habe ich noch kleine Aussetzer, und da sich der Dauerstress bei mir irgendwann körperlich in Form von Bauchspeicheldrüsenentzündungen äußerte, hat Mama Kontakt mit einer Heilpraktikerin aufgenommen.

Ich bekomme jetzt ab und an auf mich "zugeschnittene" Globuli und damit geht es mir wirklich gut!

Unsere Tante Tierdoktor hat außerdem einen chronischen Folsäuremangel festgestellt, der durchaus auch meinen Missmut begründen kann. Dagegen kriege ich jetzt alle 8 Wochen eine Spritze.

Und um mich weiter auszulasten mache ich Klicker-Training, Katzen Agility und übe im Augenblick, mit einem Walking Jacket zu laufen, damit Mama auch mal mit mir raus kann. Yuna und Ikea wollen das alles nicht, die sind auch ohne das glücklich und zufrieden.

 

 

Lange Rede kurzer Sinn: wir haben Glück, uns geht es gut! Wir haben eine Mama, die alles für uns tut, wir haben einen Kletterpark, einen vernetzten Balkon und alles was das Katzenherz wünscht. Streit gibt es zwar immer noch zwischen Ikea und mir, aber das ist jetzt Zickenkrieg unter Geschwistern und nix wirklich Ernstes mehr. Trotzdem hatte und hat Mama viel Glück mit uns.

 

In Mamas Freundeskreis gibt es leider jemandem, bei dem das nicht so ist. Hier handelt es sich auch um die „Rassekatze“ eines Züchters, aber leider ohne Papiere und damit ohne Vereinszugehörigkeit.

Gerne werden solche Züchter deshalb Vermehrer genannt, da sie oft ohne bestimmte Zuchtziele vermehren sondern um des lieben Geldes willen oder weil kleine Kätzchen ja ach so niedlich sind. Die Eltern dieser Kätzchen sind häufig nicht gesundheitlich auf Erbkrankheiten untersucht (das kann bei Vereinszüchtern aber auch passieren, deshalb immer genau nachfragen!) und das kann zu einem bösen Erwachen führen.

 

Der eine Kater aus dem Freundeskreis hat mittlerweile eine chronische Niereninsuffizienz entwickelt und wird sein vermutlich kurzes Leben lang medizinische Hilfe brauchen.

Er ist erst drei Jahre alt.

Viele Tiere von dieser Vermehrerin sind im jungen Alter chronisch erkrankt oder sogar schon verstorben.

 

Als Anfängerin wusste unsere Mama diese Dinge nicht, sie hat wirklich Glück gehabt, dass uns bis auf Kleinigkeiten nichts fehlt. Heute würde sie an eine Katzenadoption anders herangehen, gerade was Erbkrankheiten betrifft.

 

Es ist immer wichtig, sich gründlich zu informieren und nicht nur das Herz, sondern auch den Kopf einzuschalten und nicht aus Mitleid bei Vermehrern zu kaufen. 

 

© E. Drescher

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