Katze Freya aus Bochum

Hallo lieber Leser, 

jetzt mag ich mich auch mal zu Wort melden.

Mein Name ist Freya und ich wohne in Bochum. Eigentlich fragt man eine Dame ja nicht nach dem Alter, aber da Ihr nicht gefragt habt, verrate ich es Euch: 16, oder so. Aber ich zähle anders, ich denke ich bin 4 plus. Über diese Zeit, die ich gerne unter der Bezeichnung Vergangenheit abgehakt sehe, gibt es nichts zu berichten. Mein jetziges Leben begann im Tierheim Bochum. Genauer gesagt vor der Türe des Tierheims. Dort wurden meine beste Freundin Shasti und ich in einem Pappkarton in einer Nacht- und Nebelaktion ausgesetzt. Ich war damals etwa 12 Jahre alt und Shasti wohl schon 14 Jahre alt! Wer macht denn so was? Zwei Damen im besten Alter in einen Pappkarton sperren! 

Nun ja, wir müssen es zugeben, zu diesem Zeitpunkt hatten wir beide unser Wohlfühlgewicht etwas überschritten und waren gesundheitlich angeschlagen. Außerdem ist Shasti schwarz und ich braun gescheckt und das sind angeblich genau die Katzen, die keiner haben will. Im Tierheim war es voll. Vor allem war das Tierheim voll mit jungen und schönen Katzen, und daher wollte uns keiner haben. Ewig haben wir nebeneinander in einem Körbchen gesessen und wurden immer trauriger, aber keiner wollte uns haben.

Bis dann eines Tages die Tür aufging und unsere neue Menschin rein kam. Ich wusste es sofort! Sofort! Das war sie, sie war auf der Suche nach mir! Mit meinen großen Katzenaugen habe ich sofort in ihr Herz gesehen und entdeckte dort ein kleines Mädchen, das keine Katze haben durfte und daher seine Wunschkatze auf einem Blatt Papier beschreibt: Braun sollte sie sein, und gelbe Augen haben, und viel schnurren, und kuscheln, und immer bei ihr sein. Ich sagte es bereits: Sie suchte nach mir! Sie hat sich Mitten in den Raum gesetzt und geguckt was passiert. Klar, da sind die ganzen Jungspunde zu ihr hin und haben geschleimt, aber dann bin ich aufgestanden und habe mit der ganzen Würde meines Alters den anderen klar gemacht, dass sie jetzt mir gehörte. Bis dahin war ich noch nie für einen Menschen aus unserem Korb gekommen, aber das waren ja auch nicht meine Menschen. 

 

Dann habe ich mich auf ihren Schoss gesetzt, den Bauch nach oben gedreht und ihre Kraule-Qualitäten getestet. Nachdem sie diesen Test auch bestanden hatte war ich einverstanden und wollte sofort mit ihr in unser neues Zuhause gehen. Aber wie Menschen so sind, ging das nicht. Sie hat erst Haare von Shasti und mir mitgenommen und geguckt ob ihr Mann gegen uns allergisch ist! So ein Quatsch! Wir sind total bezaubernd, gegen uns kann man nicht allergisch sein! Und so war es auch.

Beim nächsten Besuch hat sie ihn mitgebracht und weil ich ja nicht auf den Kopf gefallen bin habe ich mich so richtig bei ihm eingeschleimt. (Shasti ist viel zu schüchtern, die überlässt die Außenpolitik mir.) 

Beim nächsten Besuch haben sie uns dann endlich mitgenommen! Bis dahin hatten Shasti und ich unseren großartigen Plan geschmiedet: Ich wollte mich um sie kümmern, genau so wie sie es sich als kleines Mädchen erträumt hatte, und Shasti, die ruhige und elegante Dame wollte ihn weich kochen. Das ging sehr schnell. Sie hat drei Wochen gebraucht, dann hatte sie ihn sich untertan gemacht. Sie ist echt gut! Das ist bis heute so, Shasti sitzt mit ihm auf dem Sofa und ich mit meiner Menschin daneben. Das ist das Paradies! Sie nennt mich immer „meine kleine Traumkatze“, weil sie so lange davon geträumt hat mich kennen zu lernen.

 

Shasti und ich mussten etwas abnehmen und oft zum Tierarzt gehen, damit es uns wieder richtig gut geht. Aber die perfekten Katzen waren wir von Anfang an: Wir wissen wann wir die Krallen einziehen müssen um nicht zu kratzen beim spielen oder kuscheln, wir benutzten selbstverständlich immer unsere Toilette und würden niemals an den Möbeln kratzen. Wir springen nicht auf die Küchenanrichte oder den Esstisch und schlafen ganz brav während die Menschen arbeiten und freuen uns dann, wenn sie wieder heim kommen.

 

Ihr seht, es hat auch wirkliche Vorteile mit einer Katze zusammen zu leben, die die Sturm- und Drangzeit schon hinter sich hat. Wir haben ein großes Herz und kümmern uns gut um unsere Menschen. Ich zum Beispiel bringe meine Menschin jeden Abend ins Bett und schnurre sie in den Schlaf. Und Shasti hilft ihrem Menschen immer bei der Arbeit am Rechner. 

Und jetzt, tja, was soll ich sagen: Wir vier sind glücklich!

 

P.S.: Unsere Namen haben uns unsere jetzigen Menschen gegeben. Wir sind mit ihnen sehr einverstanden und reagieren sofort, wenn man uns mit unseren Namen anspricht. Immerhin sind wir nach Göttinnen benannt.

 

P.P.S.: Und von wegen „alte Katzen sind unflexibel“. Nix is! Wir fahren mit dem Wohnmobil in den Urlaub!!! Wir waren schon in der Schweiz, in Frankreich, in Österreich, in Belgien, in den Niederlanden, in England, in Schottland (jaja, kein eigenes Land, Volksabstimmung, blah!!! Wir sehen das anders!).

Wenn Ihr mehr über unsere Urlaube erfahren wollt guckt einfach unter: www.bokult.de

© Eva Rendl (Fotos u. Beitrag)

 

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